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Drei im Weggla und keine Versprechen

Carina, 28 · Nürnberg

Ich stehe jeden Morgen um vier Uhr auf. Das ist das Erste, was ich Männern erzähle, und meistens auch das Letzte, was sie von mir hören wollen. Ich bin Konditorin in einem Café in der Nähe vom Weißen Turm, sechs Tage die Woche, die Hände voller Mehl, den Kopf voller Bestellungen: zwei Hochzeitstorten, vierzig Nussecken, eine Prinzregententorte für eine Dame, die jedes Jahr zu ihrem Geburtstag behauptet, es sei ihr letzter. Ich bin achtundzwanzig, ich liebe meinen Beruf, und ich habe schlicht keine Kraft für eine Beziehung, in der man sonntags zu den Schwiegereltern nach Fürth fährt.

Deshalb stand in meinem Profil auf der Dating-Seite ziemlich unromantisch: „Suche nichts Ernstes. Suche jemanden, der samstags Zeit hat und mich zum Lachen bringt. Ohne Verpflichtung, aber mit Anstand.“ Meine Kollegin Sevgi meinte, das klinge wie eine Stellenanzeige. Ich meinte, genau darum gehe es ja: klare Aufgabenbeschreibung, keine Überstunden.

Die meisten Antworten waren beleidigt („Warum so kalt?“). Und dann schrieb Jannik. Einunddreißig, Tontechniker, wohnt in St. Johannis. Seine Nachricht bestand aus einem einzigen Satz: „Ich habe samstags Zeit, ich sorge beruflich dafür, dass andere Leute besser klingen, und ich esse Bratwürste grundsätzlich zu dritt.“

Ich habe laut gelacht, allein in meiner Küche in Gostenhof, eine Stunde nach meiner Schlafenszeit.

Wir trafen uns an einem Samstag im Mai am Schönen Brunnen. Ich hatte mir vorgenommen, pünktlich und gelassen zu sein, und war stattdessen zwanzig Minuten zu früh. Weil ich nicht wusste, wohin mit mir, drehte ich den Messingring im Gitter. Man sagt, wer ihn dreht, dem geht ein Wunsch in Erfüllung. Ich wünschte mir, dass er nicht mehr so aussieht wie auf seinen Fotos von 2019.

„Den Ring drehen ist Schummeln“, sagte eine Stimme hinter mir. „Der Wunsch zählt nur, wenn man nicht gerade auf ein Date wartet.“

Er sah besser aus als auf den Fotos. Das ist mir in drei Jahren Online-Dating genau zweimal passiert. Groß, eine etwas schiefe Nase, ein verwaschenes T-Shirt von einer Band, die ich nicht kannte, und Hände, die er in die Hosentaschen steckte, als hätte er selbst nicht damit gerechnet, dass ich wirklich komme.

„Woher weißt du, dass ich auf ein Date warte?“, fragte ich. „Vielleicht bin ich nur eine Frau, die gern Messing poliert.“

„Eine Frau, die Messing poliert, hätte kein Mehl am Ohr.“

Ich hatte tatsächlich Mehl am Ohr. Trotz Dusche und Wimperntusche hing noch ein Rest Arbeit an mir. Er wischte ihn nicht weg, er zeigte nur darauf, was ich irgendwie netter fand.

Am Bratwurststand bestellte er zweimal „Drei im Weggla“, mit Senf, ohne Diskussion. Wir aßen im Stehen, zwischen Touristen, Marktfrauen, die ihre Spargelkisten zusammenpackten, und einem Straßenmusiker, der zum dritten Mal „Hallelujah“ spielte. Jannik zuckte bei jedem schiefen Ton zusammen, so fein, dass es nur jemand bemerkt, der gerade sehr genau hinschaut.

„Berufskrankheit?“, fragte ich.

„Die Gitarre ist einen Viertelton zu tief gestimmt. Seit einer Stunde. Ich höre das sogar im Schlaf.“

„Ich sehe bei jeder Bäckerei im Vorbeigehen, ob die Croissants zu kurz gebacken sind“, sagte ich. „Wir sind beide unerträglich.“

„Dann sollten wir das Wichtigste gleich klären“, sagte er und wurde plötzlich ernst. „Du hast geschrieben: nichts Ernstes. Ich will nur sicher sein, dass ich das richtig verstanden habe. Nicht, dass ich in drei Wochen mit Blumen vor deiner Tür stehe und du die Polizei rufst.“

Ich mochte ihn in diesem Moment ein bisschen zu sehr für jemanden, den ich eigentlich nicht zu sehr mögen wollte. „Du hast es richtig verstanden. Ich arbeite zu viel. Ich will Samstage, die sich nach Urlaub anfühlen. Keine Pläne für Weihnachten, keine Zahnbürste bei mir im Bad.“

„Abgemacht“, sagte er und hielt mir die Hand hin, noch mit Senf am Daumen. „Samstage. Keine Zahnbürsten. Und wer sich verliebt, sagt es sofort, damit der andere rechtzeitig flüchten kann.“

Wir schlugen ein. Es war der seltsamste und ehrlichste Vertrag, den ich je geschlossen habe.

Von der Burgstraße aus geht es steil bergauf, und ich hatte vergessen, wie steil. Wer sechs Tage die Woche Bleche schleppt, hat zwar Arme wie ein Kranführer, aber keine Kondition für Kopfsteinpflaster. Auf halber Höhe, vor dem Fembohaus, blieb ich stehen und tat so, als würde ich die Fassade bewundern.

„Schönes Fachwerk“, keuchte ich.

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„Das ist Sandstein“, sagte Jannik.

„Ich bewundere es trotzdem.“

Oben an der Kaiserburg wehte ein warmer Wind, und die ganze Altstadt lag unter uns: die roten Dächer, die beiden Türme von St. Lorenz. Wir setzten uns auf die Mauer an der Freiung. Er erzählte von einer Sängerin, die ihn mitten im Konzert über das Mikrofon beschimpft hatte, weil ihr Monitor zu leise war. Ich erzählte von der Dame mit der Prinzregententorte. Wir lachten über Dinge, die niemand sonst lustig gefunden hätte.

Irgendwann lag mein Kopf an seiner Schulter, und ich weiß ehrlich nicht mehr, wer von uns sich zuerst bewegt hat. Er roch nach Sonnencreme und ein bisschen nach Senf. Der erste Kuss war vorsichtig, fast höflich, der zweite deutlich weniger. Eine Schulklasse aus Bamberg johlte hinter uns, Jannik verbeugte sich, und ich wurde rot bis zu den Ohren.

Wir gingen auf der anderen Seite hinunter, zum Platz am Tiergärtnertor, wo die Leute mit ihren Getränken auf dem Pflaster sitzen, als wäre der ganze Platz ein Wohnzimmer. Dort tranken wir ein Bier, dann noch eins. Als es dunkel wurde, sagte er: „Ich wohne zwanzig Minuten von hier. Ich sag's nur. Kein Druck.“

„Ich muss morgen nicht um vier aufstehen“, sagte ich. „Das sag ich auch nur.“

Was danach passierte, bleibt in St. Johannis. Ich kann nur so viel verraten: Seine Wohnung war überraschend aufgeräumt, er hatte sehr gute Lautsprecher, und ich bin am Sonntagmittag in einem geliehenen Pullover nach Hause gefahren, den ich ihm erst drei Wochen später zurückgegeben habe.

Es wurden viele Samstage. Wir hatten keine Regeln außer der einen, und wir brauchten auch keine. Manchmal trafen wir uns mittags auf dem Trödelmarkt, der kleinen Insel in der Pegnitz, und aßen Eis, während unter uns das Wasser über das Wehr rauschte. Manchmal liefen wir am Fluss entlang bis zum Weinstadel, diesem langen Fachwerkbau, dessen Galerien sich über das Wasser beugen wie Nachbarn, die zu neugierig sind. Auf dem Henkersteg daneben, dem überdachten Holzsteg, blieben wir jedes Mal stehen. Dort soll früher der Henker gewohnt haben, weil ihn in der Stadt niemand haben wollte.

„Stell dir vor“, sagte Jannik einmal, „du bist so unbeliebt, dass sie dich auf eine Brücke abschieben.“

„Oder er wollte einfach seine Ruhe“, sagte ich. „Vielleicht war er gar nicht unglücklich. Vielleicht hatte er nur keine Lust auf Schwiegereltern in Fürth.“

Er lachte, aber er sah mich einen Moment länger an als nötig. Ich merkte es, und ich merkte auch, dass es mir gefiel, und das wäre der Punkt gewesen, an dem ich vorsichtig hätte werden müssen.

Im Juli wurde ich es dann auch. An einem heißen Abend saßen wir an der Maxbrücke, die Füße über dem Wasser, und er erzählte beiläufig, dass er ab September für ein halbes Jahr mit einer Band auf Tour gehe: erst Skandinavien, dann Österreich, dann die Schweiz. Ich spürte einen kleinen Stich und gleich danach etwas, das sich wie Erleichterung anfühlte.

„Das ist toll“, sagte ich, und ich meinte es so.

„Ich wollte es dir sagen, bevor einer von uns gegen die Regel verstößt“, sagte er. „Ich glaube, ich war kurz davor.“

„Kurz davor ist nicht verstoßen“, sagte ich. „Kurz davor ist einfach ein schöner Sommer.“

Er nickte langsam. Wir blieben sitzen, bis über der Pegnitz die Laternen angingen.

Unseren letzten Samstag verbrachten wir genau wie den ersten. Drei im Weggla am Hauptmarkt, derselbe Straßenmusiker, derselbe Viertelton zu tief. Dann hinauf zur Burg, diesmal ohne Pause vor dem Fembohaus, weil ich den ganzen Sommer über trainiert hatte, ohne es zu merken. Oben gab er mir eine kleine Tüte. Darin lag ein Schlüsselanhänger: ein winziger Messingring, den er in einem Souvenirladen gefunden hatte.

„Damit du am Brunnen nicht mehr schummeln musst“, sagte er.

Ich hatte ihm auch etwas mitgebracht: eine Dose Elisenlebkuchen aus unserer Backstube, eigentlich Weihnachtsware, im August verboten früh gebacken. „Für die Tour. Damit du nicht vergisst, wo es die besten gibt.“

Wir haben uns lange umarmt, auf dem Kopfsteinpflaster unter dem Sinwellturm, und dann ist jeder in eine andere Richtung den Burgberg hinuntergegangen. Kein Drama, keine Tränen, nur dieses warme, leichte Gefühl, das man nach einem sehr guten Essen hat, bei dem man nicht zu viel gegessen hat.

Manchmal schickt er mir Fotos. Ein Mischpult in Oslo. Eine leere Lebkuchendose in einem Hotelzimmer in Graz. Ich antworte mit Fotos von Torten. Mein Profil habe ich nicht gelöscht, und die Beschreibung habe ich auch nicht geändert. Sevgi findet, sie klinge immer noch wie eine Stellenanzeige. Ich finde, sie hat sich bewährt.

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