SingleFrauenTreffen

Eine Monstera auf dem Lastenrad

Lena, 29 · Berlin

„Bist du Lena? Ich hoffe, du bist Lena, sonst muss ich mich jetzt sehr lange entschuldigen.“

Das war der erste Satz, den Jonas zu mir sagte, und er sagte ihn hinter einem Farn hervor. Genauer gesagt hinter einem Farn, zwei Tomatenpflanzen, einer Monstera, die größer war als ich, und einem kleinen Olivenbaum, der in einer Holzkiste auf der Ladefläche seines Lastenrads schaukelte. Es war Sonntag, kurz nach elf, und der Flohmarkt am Boxhagener Platz war so voll, wie er an einem warmen Septembersonntag eben ist: Menschen mit Jutebeuteln, Hunde mit Halstüchern, und irgendwo dazwischen ich, neunundzwanzig, UX-Designerin, mit einem Hafermilch-Cappuccino in der Hand, den ich mir aus Nervosität schon vorher geholt hatte.

„Ich bin Lena“, sagte ich. „Und du bist offenbar ein Gewächshaus.“

Er lachte, stieg ab und schob das Rad halb auf den Gehweg an der Krossener Straße. Er war größer als auf seinen Fotos, hatte Erde an den Fingern und ein T-Shirt, auf dem „Kompost ist auch nur Liebe“ stand. Ich wusste in diesem Moment nicht, ob ich das furchtbar oder großartig fand. Ich weiß es bis heute nicht.

„Ich wollte eigentlich nur eine Pflanze kaufen“, sagte er. „Für meinen Balkon. Und dann hat die Frau am Stand gesagt, der Olivenbaum sei traurig, weil ihn niemand will.“

„Und du hast ihr geglaubt.“

„Ich bin Grundschullehrer. Ich glaube Menschen, die mir sagen, dass jemand traurig ist. Berufskrankheit.“

Wir hatten uns auf einer Dating-Seite kennengelernt, drei Wochen vorher. Sein Profil war angenehm unaufgeregt gewesen: kein Foto mit erlegtem Fisch, kein Sonnenuntergang auf Bali, keine Liste mit Dingen, die er „auf keinen Fall“ wollte. Stattdessen ein Bild von ihm auf einem Balkon in Lichtenberg, umgeben von viel zu vielen Töpfen, und der Satz: „Suche jemanden, der mir sagt, wann ich aufhören soll, Pflanzen zu kaufen.“ Ich hatte geschrieben: „Nie. Die Antwort ist nie.“ Und er hatte geantwortet: „Du bist gefährlich.“

Seitdem hatten wir jeden Abend geschrieben. Über Arbeit, über Berlin, über die Frage, ob man Pfannkuchen oder Berliner sagt (Pfannkuchen, darin waren wir uns einig, und das war mir wichtiger, als ich zugeben wollte). Beruflich bringe ich Apps bei, sich Menschen nicht in den Weg zu stellen; beim Dating stehe ich mir selbst ständig im Weg. Deshalb hatte ich mir vorgenommen, diesmal alles richtig zu machen: ein kurzer Kaffee, öffentlicher Ort, maximal eine Stunde, danach ehrliche Bilanz mit meiner Mitbewohnerin Pia.

Der Plan hielt ungefähr vier Minuten.

Wir holten ihm einen Kaffee in einem kleinen Laden an der Ecke Gärtnerstraße, und weil kein Tisch frei war und er sein Rad nicht allein lassen wollte („Die Monstera ist sehr menschenscheu“), schlenderten wir mit den Bechern über den Markt. Er blieb an jedem zweiten Stand stehen. Bei einer Kiste mit alten Dias aus den Siebzigern, bei einem Stapel DDR-Kinderbücher, aus denen er mir mit verstellter Stimme vorlas, bis die Verkäuferin lachen musste.

„Machst du das mit allen Dates?“, fragte ich.

„Vorlesen? Nur mit denen, die ich beeindrucken will.“

„Mit der Stimme eines sprechenden Traktors?“

„Das ist meine stärkste Nummer. Die zweite Klasse liebt sie.“

Ich kaufte mir für drei Euro eine emaillierte Tasse mit abgesprungenem Rand, einfach weil er sagte, sie sehe aus wie ich an einem Montagmorgen. Das hätte eine Beleidigung sein können. So, wie er es sagte, war es keine.

Irgendwann standen wir am Rand des Platzes, die Becher leer, und ich merkte, dass meine Stunde längst um war. Ich hätte gehen können. Die Tür stand offen, ganz im Sinne meiner eigenen Regeln. Stattdessen hörte ich mich sagen: „Der Olivenbaum braucht doch bestimmt Sonne. Und frische Luft. Vielleicht Wasser?“

Er sah mich an, als hätte ich gerade einen sehr klugen Vorschlag gemacht. „Zur Spree?“

„Zur Spree.“

Es gibt Dinge, die man bei einem ersten Date nicht tun sollte. Ein Lastenrad voller Pflanzen gemeinsam die Warschauer Straße hinunterzuschieben, gehört vermutlich dazu. An der Ampel an der Revaler Straße fiel uns eine Tomatenpflanze vom Rad. Jonas fing sie im letzten Moment auf, und ein Mann mit Kinderwagen applaudierte.

„Siehst du“, sagte Jonas. „Berlin mag uns.“

„Berlin mag die Tomate.“

Unterwegs erzählte er mir von seiner Klasse, von einem Jungen namens Emil, der ihn neulich gefragt hatte, ob Lehrer eigentlich auch nach Hause gehen oder in der Schule schlafen. Ich erzählte ihm von meiner Arbeit, von einem Kunden, der darauf bestanden hatte, dass der Kaufen-Knopf in seiner App orange wird, weil Orange „nach Erfolg riecht“. Wir stritten uns zehn Minuten lang darüber, wie Erfolg riecht. Er sagte: frisch gemähtes Gras. Ich sagte: ein neuer Laptop. Ich schubste ihn leicht mit der Schulter, und er ließ es sich gefallen, auch als seine Schulter längst wieder bei meiner war.

Als wir an der Oberbaumbrücke ankamen, hatte sich der Himmel ganz aufgeklart. Die Backsteintürme leuchteten rot in der Sonne, über uns ratterte die U1 hinüber nach Kreuzberg, und unten auf der Spree zog ein Ausflugsdampfer vorbei, auf dem jemand ein Geburtstagslied grölte. Wir stellten das Rad an das Geländer und lehnten uns daneben. Die Monstera ragte über unsere Köpfe, als wollte sie mithören.

Bereit für dein eigenes erstes Date?

Jede dieser Geschichten hat mit einer einzigen Nachricht angefangen. Deine könnte heute beginnen: anonym anmelden, Ort eingeben, Hallo sagen.

Jetzt Single Frauen treffen

„Darf ich dir was gestehen?“, fragte Jonas.

„Wenn es nicht noch ein Olivenbaum ist.“

„Ich habe die Pflanzen nicht zufällig gekauft. Ich war um neun schon hier. Ich war so nervös, dass ich zwei Stunden über den Markt gelaufen bin, und irgendwann dachte ich, wenn ich etwas in den Händen habe, zittern sie nicht so.“

Ich sah auf seine Hände. Sie zitterten nicht mehr. Sie lagen auf dem Geländer, ein Rest Erde noch unter dem Daumennagel, ganz nah an meinen.

„Ich hab mir den Cappuccino vorher geholt, damit ich was festhalten kann“, sagte ich. „Und ich hab dreimal meine Jacke gewechselt. Die hier ist Nummer vier.“

Er lachte, und ich lachte, und dann war es für einen Moment still, auf diese Art, die nicht unangenehm ist, sondern eher so, als würde man gemeinsam die Luft anhalten.

Wir blieben fast eine Stunde auf der Brücke. Wir sahen den Booten zu und erfanden Lebensgeschichten für die Paare, die an uns vorbeigingen. Die beiden mit dem Pudel waren frisch verlobt, entschieden wir. Die zwei jungen Leute, die ein bisschen zu weit auseinander gingen und sich ständig heimlich ansahen, hatten ihr erstes Date.

„So wie wir“, sagte Jonas.

„Wir gehen nicht so weit auseinander.“

„Nein“, sagte er leise. „Tun wir nicht.“

Dann küsste er mich. Oder ich küsste ihn, darüber sind wir uns bis heute nicht einig, und ehrlich gesagt ist es auch egal. Es war ein kurzer Kuss, vorsichtig, mit der Sonne im Gesicht und einem Farnblatt, das mich am Ohr kitzelte. Ein Radfahrer klingelte, und wir fuhren auseinander wie zwei ertappte Teenager.

Als wir uns endlich auf den Rückweg machten, fragte er mich, ob ich den Olivenbaum haben wolle.

„Du kannst mir doch nicht beim ersten Date einen Baum schenken.“

„Warum nicht? Blumen schenken ist langweilig. Blumen welken. Ein Olivenbaum kann Hunderte Jahre alt werden.“

„Das ist eine ziemlich große Verantwortung für ein erstes Date.“

„Dann betrachte ihn als Pfand“, sagte er. „Ich muss ja nachsehen, ob du ihn richtig gießt.“

Also schoben wir das Rad zurück durch Friedrichshain, am Bahnhof Warschauer Straße vorbei, durch die Simon-Dach-Straße, wo die ersten Leute schon mit Aperol auf den Bänken vor den Bars saßen, bis zu meinem Haus in der Grünberger Straße. Er trug den Baum in der Holzkiste die vier Stockwerke hinauf, ohne Aufzug, und stand dann schwer atmend in meiner Wohnungstür, während Pia aus der Küche kam, ihn von oben bis unten musterte und sagte: „Du bist also der Mann mit dem Kompost-Shirt.“

Ich hatte ihr ein Foto geschickt. Natürlich hatte ich ihr ein Foto geschickt.

Der Olivenbaum steht jetzt auf meinem kleinen Balkon zum Hof. Er sieht nicht mehr traurig aus. Jonas kommt seit fünf Wochen jeden zweiten Sonntag vorbei, um ihn zu „kontrollieren“, wie er sagt, und meistens bleibt er zum Frühstück. Manchmal kommt er auch schon am Abend davor, um ganz sicherzugehen, dass der Baum die Nacht gut übersteht. Pia nennt das „Gießdienst“ und verdreht dabei die Augen, aber sie hat ihm neulich eine Gießkanne vom Flohmarkt mitgebracht, und das ist bei Pia eine Liebeserklärung.

Letzten Sonntag standen wir wieder am Boxhagener Platz. Er wollte zu dem Pflanzenstand, ich hielt ihn am Ärmel fest.

„Du hast gesagt, ich soll dir sagen, wann du aufhören sollst, Pflanzen zu kaufen“, erinnerte ich ihn.

„Und?“

„Nie“, sagte ich. „Die Antwort ist immer noch nie. Aber diesmal trägst du sie zu dir nach Hause.“

Er kaufte einen kleinen Kaktus. Er steht jetzt auf meinem Schreibtisch, neben dem Laptop, der nach Erfolg riecht. Jonas behauptet, der Kaktus rieche nach Gras. Ich widerspreche ihm nicht mehr. Man muss nicht jeden Streit gewinnen, um glücklich zu sein.

Single-Frauen in deiner Nähe Berlin

Mehr Geschichten

Dienstags, fünfundvierzig Minuten

Zwei Teenager, eine Apotheke, ein voller Kalender: Anja bleiben nur dienstags fünfundvierzig Minuten. Genug für einen Kaffee in der Kunsthofpassage – bis ihre Kinder eines Tages im Hof stehen.

Anja, 43 · Dresden

Plattfuß am Aasee

Die Absage an Moritz ist schon geschrieben, Paula will nur noch eine Runde um den Aasee drehen. Dann steckt ein Nagel im Reifen, und der Retter mit der Minipumpe kommt ihr seltsam bekannt vor.

Paula, 27 · Münster

Sandburgen in Övelgönne

Eine Stunde vor ihrem ersten Date seit über zwei Jahren sagt die Babysitterin ab. Merle will verschieben, doch Tobias hat eine andere Idee: Elbstrand, Plastikschaufeln und ihre sechsjährige Tochter Ida als strenge Bauleiterin.

Merle, 34 · Hamburg

Bereit für dein eigenes erstes Date?

Jede dieser Geschichten hat mit einer einzigen Nachricht angefangen. Deine könnte heute beginnen: anonym anmelden, Ort eingeben, Hallo sagen.

Jetzt Single Frauen treffen
Gratis anmelden
Gratis Single-Frauen treffen

Bist du schon 18 Jahre alt?

Auf dieser Seite geht es um Dates und Begegnungen zwischen Erwachsenen, deshalb ist sie nur für Personen ab 18 Jahren gedacht. Wenn du weiterklickst, bestätigst du, dass du volljährig bist und Inhalte rund um Flirts und Treffen sehen möchtest.